Zwischenbericht: Windkraftausbau geht nur schleppend voran

Stuttgart (bjhw) – Baden-Württemberg will die Klimaziele im Energiesektor mit Erneuerbaren erreichen. Doch der Windkraft-Ausbau dümpelt im Südwesten vor sich hin.

Ernüchternde Gesamtbilanz: Die Windkraft, auf die die Landesregierung viel Hoffnung setzt, dümpelt derzeit noch vor sich hin. Foto: Christian Charisius/dpa

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Ernüchternde Gesamtbilanz: Die Windkraft, auf die die Landesregierung viel Hoffnung setzt, dümpelt derzeit noch vor sich hin. Foto: Christian Charisius/dpa

Sonne, Wind, Wasser, Holz, Biomasse und – für eine Übergangsphase – Gas: Baden-Württemberg will die Klimaziele im Energiesektor „soweit es geht, mit Erneuerbaren erreichen“, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Immerhin hat das Land ein vor zehn Jahren ausgegebenes Ziel übererfüllt. Nach dem neuen Zwischenbericht zum Stand der Energiewende liegt der Anteil mit 41 sogar knapp über den 38 angepeilten Prozent.
Vor allem die Windkraft, auf die die Landesregierung in der neuen Legislaturperiode so viele Hoffnungen setzt, dümpelt aber vor sich hin. „Die Gesamtbilanz bleibt ernüchternd“, schreiben die Autoren vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZEW), denn nur ein Bruchteil des bundesweiten Ausbaus finde im Südwesten statt. Deutlich erfolgreicher ist das Land in Sachen Photovoltaik und vor allem in der solaren Nahwärme.

Monatelang stritten sich Grüne und CDU in der vergangenen Legislaturperiode, wie und wo die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen Pflicht werden soll. Erst im neuen Koalitionsvertrag war die Union bereit, auch Vorschriften für Neubauten und große Dachsanierungen zu akzeptieren.

Jetzt wird der Novelle des Klimaschutzgesetzes im Zwischenbericht ein gutes Zeugnis ausgestellt. Denn die Pflicht zur Installation von PV-Anlagen beim Neubau von Nichtwohngebäuden und Parkplätzen zeigt Wirkung: Der Zubau ist in Schwung gekommen. Mit einem Hinweisschreiben an die Planungsbehörden und mit einem Handlungsleitfaden unterstütze das Land gerade Flächen in benachteiligten Gebieten, heißt es in dem Bericht.

Seit 2013 wird der Stand der Energiewende Jahr für Jahr vom ZEW umfassend analysiert. Die damalige grün-rote Landesregierung hatte nicht nur neue Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität ausgegeben, sondern musste auch erklären, wie es angesichts des Ausstiegs aus der Atomkraft um die Versorgungssicherheit bestellt ist. In jedem Bericht dieselbe Botschaft: Es gebe keine Hinweise auf Probleme oder gar auf Blackouts. Dennoch gehöre es „zu den wichtigsten Aufgaben in den kommenden Jahren“, so Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), „unser Energiesystem weiter auf saubere und C02-freie Energieträger umzustellen und gleichzeitig eine sichere Versorgung zu gewährleisten“.

Noch kann die Windenergie kaum einen nennenswerten Beitrag leisten. Nach fünf Anlagen 2019 seien 2020 auch nur zehn Anlagen installiert worden, schreibt das ZEW, und 22 im ersten Halbjahr 2021. Ganz anders ist die Entwicklung bei der Erneuerbaren Wärme im Neubau, die allerdings auch mit auf Beschlüsse aus dem Jahr 2007 zurückgeht sowie auf die damalige Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) mit einer Öko-Pflicht bei der Wärmeerzeugung. Besonders gefragt ist solare Nahwärme: Fast die Hälfte der bundesweit verbauten Kollektorfläche von solaren Nahwärmeanlagen entfällt auf Baden-Württemberg.“

Nachholbedarf bei den Erneuerbaren


Nachholbedarf besteht auch beim Gebäudebestand. „Da müssen wir dringend ran“, sagt Walker. Denn, so zeige es der Bericht, 2020 wurden immer noch mehr als drei Viertel der Wohnungen in Baden-Württemberg überwiegend mit Heizöl und Erdgas beheizt, während bei neu gebauten Wohn- und Nichtwohngebäuden die Erneuerbaren seit 2017 die am häufigsten genutzte Beheizungsart darstellten.

„Aber Neubauten machen eben nur einen geringen Anteil am Gebäudebestand aus und benötigen vergleichsweise wenig Heizwärme“, so die Umweltministerin, die auch darauf setzt, dass der nächste Bericht noch mehr Klarheit darüber bringt, wie sich gerade jüngste Weichenstellungen auswirken.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
5. Februar 2022, 10:03 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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